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Kategorie: Kunsttherapie-Blog

Eindrucksvolle Momente entstehen mit der Handykamera – Aktivierung mit und durch Kreativität

"Wenn man es wagt, das zu tun, was man liebt, kann man jeden Tag zum besten Tag seines Lebens machen"

Ich nahm die Krise Covid19, die auch für die therapeutische Arbeit eine besonders herausfordernde Situation darstellte, als Anlass,
für stationäre PatientInnen einen multimedialen kunsttherapeutischen Workshop mit dem Medium der Fotografie zu konzipieren.

Unter der Metapher „Zeitausschnitte in Bildern“ begleitete ich gemeinsam mit meiner Kollegin durch die Tagesworkshops.

Die als eine Brücke zum „Außen“ für PatientInnen dienten, die zu dieser Zeit während ihres mehrwöchigen Aufenthaltes weder Besuche von Angehörigen erhielten, noch die Möglichkeit von Ausgängen nutzen konnten und ein Interesse an persönlichem Wachstum, an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit, ihrer Identität und ihrer individuellen Eigenart hatten. Für die Fotografie ein möglicher Zugang zur genaueren Wahrnehmung der feinen Körperempfindungen sein kann.


Aufgrund der Vertrautheit zum eigenen Handy und der damit verbundenen Möglichkeit zu fotografieren, ist Fotografie, ein sehr leicht zugängliches Medium, das jeder von uns ohne besondere technische Fähigkeiten zu besitzen, nutzen kann.

Angelehnt an die Weisheit des japanisch buddhistischen Weges, „Ichigo-ichie - den besonderen Moment nutzen“ – und den einleitenden Worten nach dem Gedicht von
Elli Michler „Ich wünsch dir Zeit“, wurden die PatientInnen eingeladen, während eines Spazierganges durch einen kleinen Stadtteil Wiens, dem nahegelegenen Wald mit einem Seerosenteich und blühenden Wiesen im Moment zu verweilen. Dabei den Fokus auf Genuss, innere und äußere Wahrnehmung zu legen und in eigenen Momentaufnahmen festzuhalten.

Der damit verbundene therapeutische Prozess, durch das Medium Fotografie unterstützt in einen Fluss (Flow) zu kommen, Stresshormone werden gesenkt. PatientInnen erleben durch mehr Achtsamkeit, wie sich die feinen Empfindungen und Regungen in der Körpermitte - anfangs noch vage -  anfühlen.
Dieser Raum der entspannten und angenehmen Stimmung bietet die Möglichkeit, das bewusste, achtsame Wahrnehmen und Erleben, Emotionen und Eindrücke durch ein Foto fest zu halten und wiederzugeben.
Eine Herangehensweise, die als Hilfsmittel und Förderung im eigenen Rhythmus zu leben, zur Stärkung von Selbstausdruck, Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der PatientInnen dient. Im Prozess der Selbsterforschung und Reflexion dienen Fotos unter anderem als Ansatzpunkt für Kommunikation und können somit helfen Denkprozesses zu strukturieren, Potenziale zu erkennen sowie Veränderungsprozesses anzuregen.
Nach Clair Craig (2013) hinterlässt ein Foto auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene Spuren, es vermittelt wichtige Botschaften über unsere Werte und unsere Identität.

Das endgültige Foto ist zu vergleichen mit einer Reise, es zu verstehen als Punkt, der sowohl Ziel als auch Ausgangspunkt sein kann. Immer wenn wir einem Bild begegnen geschieht etwas mit uns, bewusst oder unbewusst, während wir Stellung beziehen zu dem, was wir sehen und es im Kontext unserer eigenen Erfahrungen und Erinnerungen bewerten.

Ein Foto kann dem Betrachter jedes Mal, wenn er es ansieht, neue Erkenntnisse vermitteln, der Inhalt des Bildes verändert sich nicht, wohl aber das „Sein“ des Betrachters. Entscheidend ist hier die Zeit, die zwischen der Entstehung des Fotos und seiner späteren Betrachtung liegt. Mit anderen Worten, Fotos sind Bilder aus der Vergangenheit, können aus der Perspektive des HIER und JETZT betrachtet werden und dadurch neue Blickwinkel und Ideen ermöglichen.

Ein selbstgestaltetes Fotoalbum mit einer Sammlung von besonderen Momenten ermöglicht den PatientInnen in einem Pool, reich an positiven Erfahrungen und Gefühlen, wandeln zu können und rundete diese Workshops ab. Die TeilnehmerInnen beschrieben den Prozess des kreativen Tuns und Handelns als neuen und besonderen Zugewinn, ohne Leistungsdruck, mit der Option neue Anteile und Facetten von sich kennenlernen zu dürfen.

Literatur:
Clair Craig, 2013: „Fototherapie“ – Kreative Fotoarbeiten mit Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen,Verlag Hans Huber, Bern
Cathy Malchiodi, 2018: „Art Therapy and Digital Technology“, Jesica Kingsely Publishers, London
Tony Hofmann, 2017: Fokussiere das Wesentliche - Intuitiv und achtsam zur gelungenen Fotografie